Deutsche Märchen

Wer von uns hat sie als Kind nicht gleichermaßen geliebt wie gefürchtet? Die alten deutschen Märchen – die oftmals schaurigen Geschichten über Wesen, die einsame Wanderer von Brücken in dunkle, tiefe Wasser zerren, um sie dort zu ertränken. Kleine Männlein, die sich selbst ein Bein ausreißen; Wölfe, die alte Damen fressen und denen anschließend bei lebendigem Leib der Bauch aufgeschnitten wird, ohne daß sie etwas davon bemerken. (Diese Szene kam mir allerdings auch als Kind schon ziemlich merkwürdig vor).
Es gibt unzählige, mehr oder weniger schaurige Beispiele deutscher Märchen, die schon Generationen von Kindern in Angst und Schrecken versetzt, aber natürlich auch fasziniert haben.

Die alte Märchenwelt der Gebrüder Grimm, des Ludwig Bechstein und des Wilhelm Hauff ist eine Welt voller Rätsel und Geheimnisse, eine Welt der verbotenen Orte und finsteren Wälder. Wer die Regeln bricht oder nicht denen gehorcht, denen er gehorchen soll, ist verloren.
Anfang des 19. Jahrhunderts, als viele der Geschichten zusammengetragen wurden, waren die Menschen noch sehr abergläubisch. Man glaubte – wenn auch nicht mehr öffentlich – an Hexen, Zauberei und den bösen Blick.

All das, was man sich aufgrund fehlenden Wissens nicht erklären konnte, wurde also übersinnlichen Kräften zugeschrieben. Es lag nahe, daß man, wenn man sich vor gewissen Dingen fürchtete, auch seine Kinder davor schützen wollte.
So haben die deutschen Märchen, die Geschichten der vom Weg abgekommenen und dafür bestraften, oft nur den Sinn, einem Kind zu vermitteln, daß es überlebenswichtig ist, Eltern und anderen Autoritätspersonen zu gehorchen. Ein Kind, das Angst hat, läßt sich besser kontrollieren, damals wie heute.

Heutzutage würden die wenigsten Eltern einem kleinen Kind so etwas schenken. Die Geschenke, die heute verteilt werden, bewegen sich eher auf dem Sektor der Unterhaltungselektronik und nicht jeder ist davon überzeugt, daß das die bessere Alternative ist.
Einem – nicht mehr ganz kleinen – Kind, schadet es sicher nicht, ein Märchen der Gebrüder Grimm zu lesen, wenn man ihm ein paar Dinge dazu erklärt.
Märchen regen die Fantasie mehr an, als es ein elektronisches Spielzeug jemals könnte.
Die geheimnisvollen und schaurig-schönen Elemente vieler Geschichten ziehen immer noch zahlreiche Menschen in ihren Bann, nicht zuletzt deshalb, weil sie heute wissen, das es das alles zum Glück nicht wirklich gibt. Auch auf kostenlose Grußkarten welche heutztage einfach über das Internet verschickt werden können, sind die Märchenfiguren ein beliebtes Thema.

Ich liebe die alten deutschen Märchen, auch wenn ich als Kind machmal kein Auge zugemacht habe, weil ich dachte, der böse Wolf läge unter meinem Bett.

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