Ludwig Bechstein

Das Märchen vom Ritter Blaubart

Das Märchen vom Ritter Blaubart

Bewertung der Leser:

Empfehlungen:

Ritter Blaubart gilt in vielen Geschichten als grausamer Ritter, der seine Umgebung in Angst und Schrecken versetzt. Im Märchen „Das Märchen vom Ritter Blaubart“, welches im Deutschen Märchenbuch von Ludwig Bechstein zu finden ist und von Charles Perrault stammt, wird der ungewöhnliche Ritter zunächst positiv dargestellt, da er eine Ehefrau sucht. Er gibt sich Mühe, um die Schwestern von sich zu überzeugen, obwohl für alle nicht nachvollziehbar ist, aus welchem Grund seine früheren Frauen das Zeitliche gesegnet haben. Eine Schwester entschließt sich dann doch zur Hochzeit, und er behandelt sie gut. Als er eines Tages fort muss, übergibt er ihr alle Schlüssel des Schlosses inkl. eines goldenen Schlüssels für die letzte Kammer. Diese dürfe sie allerdings unter keinen Umständen betreten, denn dann würde er sie eigenhändig töten. Natürlich öffnet sie den Raum, angetrieben durch ihre Familie, und erblickt dort die Häupter der Ex-Frauen. Als Ritter Blaubart zurückkehrt und das Geschehene entdeckt, will er seine Frau töten. Ihre Schwester ruft von der Turmzinne um Hilfe. Zwei Brüder erreichen das Schloss im letzten Moment und töten Ritter Blaubart.

Autor:

Erschienen:
Deutsches Märchenbuch von Ludwig Bechstein

Zusammenfassung / Text:

Es war einmal ein gewaltiger Rittersmann, der hatte viel Geld und Gut, und lebte auf seinem Schloss herrlich und in Freuden. Er hatte einen blauen Bart, davon man ihn nur Ritter Blaubart nannte, obschon er eigentlich anders hieß, aber sein wahrer Name ist verloren gegangen. Dieser Ritter hatte sich schon mehr als einmal verheiratet, allein man hätte gehört, dass alle seine Frauen schnell nacheinander gestorben seien, ohne dass man eigentlich ihre Krankheit erfahren hatte. Nun ging Ritter Blaubart abermals auf Freiersfüßen, und da war eine Edeldame in seiner Nachbarschaft, die hatte zwei schöne Töchter und einige ritterliche Söhne, und diese Geschwister liebten einander sehr zärtlich. Als nun Ritter Blaubart die eine dieser Töchter heiraten wollte, hatte keine von beiden rechte Lust, denn sie fürchteten sich vor des Ritters blauem Bart, und mochten sich auch nicht gern voneinander trennen. Aber der Ritter lud die Mutter, die Töchter und die Brüder samt und sonders auf sein großes schönes Schloss zu Gaste, und verschaffte ihnen dort so viel angenehmen Zeitvertreib und so viel Vergnügen durch Jagden, Tafeln, Tänze, Spiele und sonstige Freudenfeste, dass sich endlich die jüngste der Schwestern ein Herz fasste, und sich entschloss, Ritter Blaubarts Frau zu werden. Bald darauf wurde auch die Hochzeit mit vieler Pracht gefeiert.

Die Warnung

Nach einer Zeit sagte der Ritter Blaubart zu seiner jungen Frau: „Ich muss verreisen, und übergebe dir die Obhut über das ganze Schloss, Haus und Hof, mit allem, was dazu gehört. Hier sind auch die Schlüssel zu allen Zimmern und Gemächern, in alle diese kannst du zu jeder Zeit eintreten. Aber dieser kleine goldene Schlüssel schließt das hinterste Kabinett am Ende der großen Zimmerreihe. In dieses, meine Teure, muss ich dir verbieten zu gehen, so lieb dir meine Liebe und dein Leben ist. Würdest du dieses Kabinett öffnen, so erwartet dich die schrecklichste Strafe der Neugier. Ich müsste dir dann mit eigner Hand das Haupt vom Rumpfe trennen!“ – Die Frau wollte auf diese Rede den kleinen goldenen Schlüssel nicht annehmen, indes musste sie dies tun, um ihn sicher aufzubewahren, und so schied sie von ihrem Mann mit dem Versprechen, dass es ihr nie einfallen werde, jenes Kabinett aufzuschließen und es zu betreten.

Als der Ritter fort war, erhielt die junge Frau Besuch von ihrer Schwester und ihren Brüdern, die gerne auf die Jagd gingen; und nun wurden mit Lust alle Tage die Herrlichkeiten in den vielen vielen Zimmern des Schlosses durchmustert, und so kamen die Schwestern auch endlich an das Kabinett. Die Frau wollte, obschon sie selbst große Neugierde trug, durchaus nicht öffnen, aber die Schwester lachte ob ihrer Bedenklichkeit, und meinte, dass Ritter Blaubart darin doch nur aus Eigensinn das Kostbarste und Wertvollste von seinen Schätzen verborgen halte. Und so wurde der Schlüssel mit einigem Zagen in das Schloss gesteckt, und da flog auch gleich mit dumpfem Geräusch die Türe auf, und in dem sparsam erhellten Zimmer zeigten sich – ein entsetzlicher Anblick! – die blutigen Häupter aller früheren Frauen Ritter Blaubarts, die ebenso wenig, wie die jetzige, dem Drang der Neugier hatten widerstehen können, und die der böse Mann alle mit eigner Hand enthauptet hatte.

Vom Tod geschüttelt, wichen jetzt die Frauen und ihre Schwester zurück; vor Schreck war der Frau der Schlüssel entfallen, und als sie ihn aufhob, waren Blutflecke daran, die sich nicht abreiben ließen, und ebenso wenig gelang es, die Tür wieder zuzumachen, denn das Schloss war bezaubert, und indem verkündeten Hörner die Ankunft Berittener vor dem Tore der Burg. Die Frau atmete auf und glaubte, es seien ihre Brüder, die sie von der Jagd zurück erwartete, aber es war Ritter Blaubart selbst, der nichts Eiligeres zu tun hatte, als nach seiner Frau zu fragen, und als diese ihm bleich, zitternd und bestürzt entgegentrat, so fragte er nach dem Schlüssel; sie wollte den Schlüssel holen und er folgte ihr auf dem Fuße, und als er die Flecken am Schlüssel sah, so verwandelten sich alle seine Geberden, und er schrie: „Weib, du musst nun von meinen Händen sterben! Alle Gewalt habe ich dir gelassen! Alles war dein! Reich und schön war dein Leben! Und so gering war deine Liebe zu mir, du schlechte Magd, dass du meine einzige geringe Bitte, meinen ernsten Befehl nicht beachtet hast? Bereite dich zum Tode! Es ist aus mit dir!“

Kommt die Hilfe zu spät?

Voll Entsetzen und Todesangst eilte die Frau zu ihrer Schwester, und bat sie, geschwind auf die Turmzinne zu steigen und nach ihren Brüdern zu spähen, und diesen, sobald sie sie erblicke, ein Notzeichen zu geben, während sie sich auf den Boden warf, und zu Gott um ihr Leben flehte. Und dazwischen rief sie: „Schwester! Siehst du noch niemand!“ – „Niemand!“ klang die trostlose Antwort. – „Weib! komm herunter!“ schrie Ritter Blaubart, „deine Frist ist aus!“

„Schwester! siehst du niemand?“ schrie die Zitternde. „Eine Staubwolke – aber ach, es sind Schafe!“ antwortete die Schwester. – „Weib! komm herunter, oder ich hole dich!“ schrie Ritter Blaubart.

„Erbarmen! Ich komme ja sogleich! Schwester! siehst du niemand?“ – „Zwei Ritter kommen zu Roß daher, sie sahen mein Zeichen, sie reiten wie der Wind.“ –

„Weib! Jetzt hole ich dich!“ donnerte Blaubarts Stimme, und da kam er die Treppe herauf. Aber die Frau gewann Mut, warf ihre Zimmertüre ins Schloss, und hielt sie fest, und dabei schrie sie samt ihrer Schwester so laut um Hilfe, wie sie beide nur konnten. Indessen eilten die Brüder wie der Blitz herbei, stürmten die Treppe hinauf und kamen eben dazu, wie Ritter Blaubart die Türe sprengte und mit gezücktem Schwert in das Zimmer drang. Ein kurzes Gefecht und Ritter Blaubart lag tot am Boden. Die Frau war erlöst, konnte aber die Folgen ihrer Neugier lange nicht verwinden.

Wie gefällt dir das Märchen?

Durchschnittliche Bewertung: / 5. Bewertungen:

Unsere Empfehlungen zum Märchen „Das Märchen vom Ritter Blaubart“

Buch:

Ludwig Bechstein - Sämtliche Märchen
Ludwig Bechstein - Sämtliche Märchen
Gebundene Ausgabe, 832 Seiten
Preis*: 9,95 €

Mehr Details auf Amazon*

Hörspiel / Video

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.